Die gängige Faustregel lautet: eine Katze braucht etwa 50 Milliliter Flüssigkeit pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Eine vier Kilo schwere Katze käme damit auf rund 200 Milliliter. Diese Zahl wird oft zitiert – und genauso oft falsch verstanden.
Der entscheidende Punkt: Flüssigkeit ist nicht gleich Trinkwasser
Die 200 Milliliter sind der gesamte Flüssigkeitsbedarf, nicht die Menge, die aus dem Napf kommen muss. Wie viel deine Katze tatsächlich trinken muss, hängt fast vollständig vom Futter ab:
- Nassfutter besteht zu rund 75–80 Prozent aus Wasser. Eine Katze, die ausschließlich Nassfutter bekommt, deckt einen Großteil ihres Bedarfs darin ab und trinkt entsprechend wenig – das ist völlig normal und kein Grund zur Sorge.
- Trockenfutter liegt bei etwa 10 Prozent Feuchtigkeit. Hier muss praktisch die gesamte Flüssigkeit über den Napf kommen.
Eine Katze mit reiner Trockenfütterung müsste also ein Vielfaches dessen trinken, was eine nassgefütterte Katze braucht. In der Praxis schaffen das die wenigsten – unter anderem, weil das Durstgefühl der Katze als Nachfahrin von Wüstentieren schwach ausgeprägt ist.
Was den Bedarf zusätzlich beeinflusst
- Temperatur: Im Sommer und in beheizten Wohnungen steigt der Bedarf spürbar.
- Aktivität: Junge, verspielte Katzen brauchen mehr als ruhige Senioren.
- Alter: Ältere Katzen trinken häufig mehr – das kann normal sein, kann aber auch ein Warnsignal sein.
- Gesundheitszustand: Verschiedene Erkrankungen verändern das Trinkverhalten deutlich.
Wie du die Trinkmenge überhaupt misst
Genau messen ist im Alltag schwierig, gerade bei mehreren Katzen. Ein praktikabler Weg: Füll den Napf morgens mit einer abgemessenen Menge, stell sicher, dass keine anderen Wasserquellen zugänglich sind, und miss abends den Rest. Rechne ein paar Milliliter Verdunstung ein. Zwei, drei Tage hintereinander gemessen ergeben ein brauchbares Bild.
Bei einem Trinkbrunnen ist die Messung ungenauer, weil bewegtes Wasser stärker verdunstet. Dafür fällt hier meistens ohnehin auf, dass insgesamt mehr verbraucht wird.
Wann du zum Tierarzt solltest
Nicht nur zu wenig Trinken ist ein Thema. Eine plötzlich stark erhöhte Trinkmenge ist ein häufig übersehenes Warnsignal und sollte tierärztlich abgeklärt werden. Das gilt ebenso, wenn deine Katze über längere Zeit auffällig wenig trinkt, Probleme beim Harnabsatz zeigt oder sich ihr Allgemeinzustand verändert.
Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung. Er soll dir helfen, Veränderungen früher zu bemerken.